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Deutschland sucht den Super-Proll |
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Donnerstag, 22. April 2010 |
Ganz Fernseh-Deutschland freut sich auf diese Sendung wie Guido Westerwelle auf seine jährliche Darmspiegelung: "Deutschland sucht den Superstar" (in Kennerkreisen auch "DSDS" genannt). Ausgestrahlt wird dieser den guten Geschmack und die Ohren verletzende Schwachsinn vom Hartz IV Sender RTL. Natürlich hilft auch die BILD-Zeitung gerne bei der kostenlosen Schleichwerbung für diesen Idiotenzirkus, lenkt das alles doch von wirklichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Ausländerkriminalität und sinnlosen Kriegen am Hindukusch ab. Brot und Spiele braucht das Volk, das wußten schon die alten Römer.
Das Spielprinzip ist einfach, damit auch das Gehirn des durchschnittlichen RTL-Zuschauers nicht übermäßig angestrengt wird. Traurige junge Leute, die auf der Verliererseite des Lebens stehen, weil sie zu blöd sind einen Schulabschluß zu machen, trällern langweilige, altbekannte Lieder, von denen man sowieso täglich im Dudelfunk belästigt wird, ohne Musikbegleitung einer dreiköpfigen "Jury" vor. Da wohl kaum ein Gitarrist in der Lage ist, sein Instrument so falsch zu stimmen, daß die "Musik" zu diesen schrägen Tönen paßt, ist es sinnvoll, daß die angehenden "Superstars" ihre Geräuschbelästigung ohne Begleitung herauswürgen. "Oberjuror" ist der "Pop Titan" ("BILD") Dieter Bohlen, der früher mit einem langhaarigen braun gegrilltem Brathähnchen namens "Nora" (So der Name auf der Halskette dieses Wesens) grottenschlechte billige Ballermann-Musik ablieferte. Bohlen verweist stets auf seine Verkaufserfolge, aber das ist in Deutschland leider kein Hinweis auf Qualität: so führte ein potthäßlicher Zeichentrick-Hase namens „Schnuffel“ wochenlang die Verkaufslisten an.
Die Totalversager, die am wenigsten schief gesungen haben, kommen dann in sogenannten „Re-Call“. Zum Schluß bleiben nur noch zehn Figuren übrig, die fortan den neuen Vornamen „Bohlens Superstar“ tragen. Dann müssen diese zehn in sogenannten „Mottoshows“ sich dem Urteil der Zuschauer stellen. Das hat mit Basisdemokratie nichts zu tun, da RTL in erster Linie an dem Geld interessiert ist, das die Zuschauer dem Sender in den gierigen Rachen werfen. Zum Schluss bleibt dann der „Superstar“ übrig. Dieser darf dann in ein Aufnahmestudio, um ein von Bohlen „geschriebenes“ Lied aufzunehmen. Dieser Tonträger verkauft sich in der Regel wie warme Brötchen, aber spätestens zur nächsten „DSDS – Staffel“ ist „Deutschlands Superstar“ wieder vergessen. Zum Glück verfügt die RTL – Gruppe über andere Prekariatssender wie VOX und RTL 2, die dann dankbar zur Resteverwertung schreiten. Dafür bieten sich Schwachsinnsformate wie „Das perfekte Promi-Dinner“ oder der Klassenausflug für Bekloppte, das „Dschungelcamp“ an. So wurde ein „Superstar“ namens Daniel Kübelböck in „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ mit Kakerlaken überschüttet, was natürlich eine entsetzliche Tierquälerei war. Vorher nervte diese Landplage mit einem Werbefilm für sein Lied „You drive me crazy“, in dem er völlig nackt auftrat. Glücklicherweise hatte der Kameramann Mitleid mit den Zuschauern und ersparte uns den Blick auf Kübelböcks Geschlechtsorgane (falls sie denn überhaupt vorhanden waren). Zu guter Letzt schaffte es die Nervensäge in die Schlagzeilen, indem er (natürlich ohne Fahrerlaubnis) mit einem Gurkenlaster zusammen stieß. Das alles hört sich nicht nur langweilig an, es ist auch langweilig. Also werden skandalöse Geschichten erfunden, die von der „Bild-Zeitung“ nur zu gerne befeuert werden. Streit und Eifersucht im „DSDS – Loft“, Drogenmißbrauch, kriminelle Vergangenheit, über jeden Furz wird eifrig diskutiert.
Wir Nationaldemokraten sind sicherlich nicht immer mit Bremens Bürgermeister Jens Börnsen einer Meinung, aber dessen Weigerung, das Bremer Rathaus für diesen Klamauk zur Verfügung zu stellen, findet ungeteilt unsere Zustimmung.
Die Staffel 2009 verlief überhaupt nicht zufriedenstellend: „Superstar“ wurde eine Milchschnitte namens Daniel Schumacher, der aussieht wie ein Schluck Wasser und auch so singt. Sein „Superstar-Siegertitel“ lag wie Blei in den Regalen, weil dieser lauwarme Weichspüler keinen interessierte. Die BILD witterte wieder einmal Böses und fragte ahnungsvoll: „Wer macht Daniel die Superkarriere kaputt?“ Ganz einfach – wo kein Interesse, da kein Käufer, da kein Erfolg. Ausgeträumt war der Traum vom „Superstar“, was natürlich auch Bohlen ärgerte: in Fachkreisen nennt man das „Flop“, und den kann der selbsternannte „Mozart des 21.Jahrhunderts“ (!) nicht gebrauchen. Die BILD Bremer Ausgabe erbarmte sich des armen Kerls (Schumacher) und ließ ihn in einem Armdrück-Wettbewerb mit einer jungen Reporterin (!!!) gewinnen. So konnte er zeigen, daß er „ein Mann und keine Memme“ sei. Na, wie arm ist das denn?Solch ein „Flop“ durfte sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Bis auf Bohlen wurde die Jury ausgetauscht. Ihm zur Seite saßen Nina Eichinger (die vielleicht schon mal unter der Dusche gesungen hat) und Volker „mega-geil“ Neumüller. So weit, so übel. Die Zuschauer sahen eine richtige Geisterbahn an schauderhaften Kandidaten. RTL siebte kräftig aus, bis nur noch zehn übrig blieben. Diese zogen dann in das sogenannte „DSDS – Loft“ ein. BILD überschlug sich vor Begeisterung („In diesem Loft wacht eines Tages ein neuer Superstar auf!“) und spendierte eine „Feng Shui“ – Beraterin, damit die jungen Leute sich dort auch wirklich wohlfühlten. Singen oder gar Zuschauer unterhalten konnte keine der zehn Pfeifen, aber ihre Lebensläufe waren vielversprechend für RTL. Ein „Superstar“ war Helmut, ein Drogensüchtiger (LSD, Ecstasy, Kokain) und Alkoholiker (7 Liter Bier am Tag). Das roch geradezu nach Schlagzeilen! Und richtig, Helmut war so blöd und ließ sich beim Koksen erwischen und flog prompt raus. Natürlich nicht ohne BILD – Begleitmusik: „Helmuts Drogenbeichte“. Natürlich kann man so von den tatsächlichen Problemen, die dieses Land bedrücken, ablenken: der Drogenmißbrauch eines Versagers ist wichtiger als der sinnlose Tod vier junger Deutscher in Afghanistan. Vielversprechend erschien auch Hasso Fröhlich. Er hat schon eine beachtliche kriminelle Laufbahn hinter sich: 32 Verurteilungen wegen Kokainmißbrauch, brutalen Körperverletzungen und Scheckbetrug. Aus Verehrung für den Jahrhundertgeiger Yehudi Menuhin nannte seine Eltern den Jungen „Mennowin“. Das sollte zeigen, wie musikalisch Hasso ist, zeigte aber nur, daß die Eltern zu blöd sind, den Namen richtig zu schreiben. Die ganze Erde hätte unter Vulkanasche liegen können, BILD wußte täglich neue Einzelheiten aus „Menowins“ Leben. So zeugte er drei Kinder mit einer Verwandten (so wird die Sippe größer und bleibt unter sich), in seiner „Heimat“-Stadt Ingolstadt wollte sich kein Jugendlicher über ihn äußern aus Angst vor Prügeln von Menowin oder Mitgliedern seiner Zigeunersippe. Idealfall für BILD: täglich neueste Nachrichten über Menowin, die normale Menschen nicht interessieren, die sich eher fragen, warum dieser Mensch nicht längst in Draculas Burg in Rumänien eingebuchtet wurde. Da nun drohte, daß die Zuschauer wegen der Talentlosigkeit der Wettbewerber wegschalten (und – noch wichtiger – dann auch nicht gebührenpflichtig bei RTL anrufen), befahl RTL der Jury mehr Begeisterung. Doch damit hatten alle drei ihre Schwierigkeiten. Dem sonst so wortgewandten Bohlen fiel außer „das war mega-geil“ oder „das war mega-super-geil“ nicht viel ein. Neumüller erwies sich als echter Sprachkünstler: „Du hast diesen Song so strong performt, du hast die Credibility, das war eine hot performance – damit bist du bei jedem Gig Top of the list!“ Zuschauer, die die englischen Ausdrücke verstehen, werden sicherlich vor Lachen in den Teppich gebissen haben nach dem gebotenen Schwachsinn.
Hasso Fröhlich bekam für seine Jaulerei auf der Bühne erstaunlich viele Zuschauerstimmen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß sein Großvater 20 Geschwister hat. Selbst wenn nur jeder zweite der Zigeunersippe für Hasso anruft, ist er seinen Mitbewerbern haushoch an Stimmen (nicht an Stimme!) überlegen. Nachdem nun der einzige Deutsche, ein netter Junge namens Manuel Hoffmann, herausgekegelt wurde, blieben nur noch zwei übrig: Hasso Fröhlich und ein Iraner namens Mehrzad Marashi. Obwohl dieser „waschechte Hamburger Jung“ (ha ha) aus dem Iran stammt, nennt ihn BILD nicht den „Irren von Teheran“, sondern den „sanften Mehrzad“. Zuschauerwirksam stellte der Iraner seiner Freundin in der Sendung einen Heiratsantrag, nach dem in der BILD AM SONNTAG die Tränen der Rührung regelrecht herausflossen. Unsympathisch waren beide, Gesangskünste besaßen beide nicht, Menowin galt als „Bohlens Liebling“ – es drohte ein sterbenslangweiliges Finale für RTL zu werden. Der große Quotenerfolg von RTL, damit das neueste Schrottlied von Dieter Bohlen sowie die Einnahmen durch die Telefon-Abzocke gerieten in Gefahr. Da mußten Schlagzeilen her, damit die Zuschauer nicht versehentlich bei „Arte“ landen. Und da kann sich RTL auf BILD verlassen!
Einen Tag vor dem „Super – Finale“ (das eigentlich niemanden interessierte) trommelte BILD in riesigen Schlagzeilen: „Darum müssen Sie heute Mehrzad wählen! Menowin darf nicht Superstar werden!“ Und BILD, sonst eher nachsichtig bei kriminellen Kokain-Verbrechern wie MICHEL FRIEDMAN oder KONSTANTIN WECKER, holte den großen Vorschlaghammer raus: „Schon wieder Drogen-Alarm bei Menowin!“ Und fragte auch gleich bang und (für RTL) quotenwirksam: „Wird Menowin nach der Show von der Polizei abgeführt?“ Dieter Bohlen mußte sich also keine Sorgen machen: den Wettstreit gegen den Fernsehkaspar Stefan Raab auf PRO 7 schien er zu gewinnen. Diesmal mußte er sich nicht einen „schmerzhaften Penisbruch an der Klobrille“ zuziehen oder Karina beim „Fremd-Shoppen“ erwischen. Es kam noch, glückliche Fügung des RTL-Schicksals, das „Asche-Chaos“ hinzu. Jurorin Eichinger saß in Los Angeles fest. Freudig berichtete BILD über „kompetenten“ Ersatz: Sylvie Van der Vaart, die sich für diesen Zirkus als Fachfrau qualifizieren konnte, weil sie die Ehefrau eines Fußballers ist. Demnach auch super-mega-geil prominent. Als ob das noch nicht alles doof genug wäre, kündigte BILD für das Finale an, daß die zu Lothar Mathäus zurückgekehrte Gespielin die „Super-Reporterin“ machen würde und die „Stars“ „backstage“ (das heißt: hinter der Bühne) befragen würden. Diese Dame ist dumm wie Kartoffelsalat, und fragte ausgerechnet Dieter Bohlen: „Welche Fragen soll ich Dieter Bohlen denn stellen?“ Dieser fand das gar nicht lustig.
Dann kam der große Moment der Supershow: der Zuschauer rieb sich die Augen. Von Moderator Marco Schreyl wurde diese Nullnummer als „Herzschlag-Finale“ angepriesen. Es war wie beim Fußball – WM – Finale: die Zigeuner in roten, die Iraner in grünen T-Hemden. Tränenreich bat Mutter Fröhlich ihren Sohn um Verzeihung „für alles, was ich dir angetan habe“. Dieser blickte verächtlich und knurrte ins Mikrofon: „Entschuldigung akzeptiert“. Mehrzaf sang ein Lied von Lionel Richie, „Endless love“. Alle waren begeistert. Dann, nach einer „kurzen“ Werbepause von gefühlten 30 Minuten, trat Menowin auf. Er sang „That’s what friends are for“. Er sang wie ein liebestoller Kater, der eine neue Mülltonne entdeckt hatte. Trotz dieses Gejaules überschlug sich die Jury vor Begeisterung: mega geil, „ganz großes Herzschlag – Kino“ und ähnliche Müllphrasen. Sylvie van der Vaart galluzinierte gar von „der glücklichen Schicksalsfügung, daß ich heute hier sitzen darf“. Der Zuschauer hatte nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Jeder Pups wurde vom jeweiligen „Fan-Block“ mit gröhlendem Applaus gefeiert. Jetzt kam der große Moment der Entscheidung: die beiden Wettbewerber sollten den Siegersong singen, von Marco Schreyl großkotzig als „ein Song aus der Edelfeder von Maestro Dieter Bohlen“ angekündigt. Bohlen selber lobte dieses Machwerk als „megamäßig, das hat sooooo einen Tonumfang“. Dieses Lied heißt „Don’t believe“, und man es wirklich nicht glauben, daß ein solcher Müll als „Edelsong“ bezeichnet wird. Auch „Spiegel-Online“ bezeichnete dieses billige Machwerk als „musikalischen Tiefpunkt des Abends“ – und davon haben wir ja schon einige erlebt! Die beiden Wettbewerber, die in den Pausen immer schmollend und sich keines Blickes würdigend in der Ecke saßen, quälten sich durch dieses Werk von Dieter Bohlen. Die Jury überschlug sich vor Begeisterung: größtes Herzschlag-Kino und ähnlicher Unsinn wurde dort angekündigt. Zum Schluß gewann Mehrzad. Er darf sich jetzt „Deutscher Superstar“ nennen. Menowin war tief getroffen von der Entscheidung der Zuschauer. Er hatte Tränen in den Augen und wollte seinem Gegenspieler nicht zum Sieg gratulieren. Ist ja auch hart, dieses Schicksal. Aus der Traum von der schnellen Mark durch ein schnell eingesungenes Schrott-Lied von Dieter Bohlen. Jetzt muß die Sippe weiterhin Schecks fälschen, andere Jugendliche einschüchtern und bedrohen, stehlen und rauben wie bisher. Menowin wird in den Schlagzeilen bleiben: auch in Ingolstadt fahren Gurkenlaster herum.
Mehrzad köchelt zur Zeit auch auf Sparflamme: wegen der Vulkanasche kann er nicht nach New York fliegen, um sein Video zu „Don’t believe“ zu drehen. Danken wir den germanischen Vulkangöttern. Die Welt wird es verschmerzen, daß es kein Video zu dem „Siegerlied“ gibt.
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