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Warum eine historische Figur endlich seine verdiente Ruhe finden muss!
Politisch interessierte Menschen in unserer Heimatstadt wissen, dass auch wir uns hier in Bremen seit Jahren gegen die historische Verklitterung und Umdeutung von historischen Ereignissen bzw. historischer Personen wehren.
Wie überall in Deutschland, versuchten auch in Bremen politische "Gutmenschen", die Person Carl Peters, als einen Exponenten des deutschen Kolonialismus, aus dem Bewusstsein der heutigen Öffentlichkeit zu löschen, indem sie eine Straße mit seinem Namen umbenennen wollten. Zwar ließe sich im Zusammenhang mit diesem Versuch auch wunderbar von einer spezifisch bremischen Politposse berichten, nur soll an dieser Stelle die Gefahren herausgearbeitet werden, die solche Aktivitäten für unserer Gesellschaft hat.
Deutsche Kolonialgeschichte, heute noch ein Thema?
Eigentlich nicht! Fast fünfzig Jahre nachdem die meisten afrikanischen Staaten ihre Unabhängikeit von den großen europäischen Kolonialmächten erhalten haben, reibt man sich bei dieser Frage schon verwundert die Augen: Kolonien? Deutschland?
Ja es ist wahr, Deutschland hatte Kolonien, wenn auch nur wenige und dann auch nur für kurze Zeit! Dieses Kapitel deutscher Geschichte liegt aber nun wirklich schon eine Ewigkeit zurück - und zwar mehr als 90 Jahre! Eigentlich eine abgeschlossene Geschichte.
Während im öffentlichen Bewusstsein der ehemals großen Kolonialmächte heute deren Kolonialzeit eine eher untergeordnete - bis hin zu einer eher unangenehmen Rolle spielt, entpuppt sich bei uns dieses kurze Kapitel unserer Geschichte zu einer Fundgrube, die von Seiten der Gutmenschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts dringend aufgearbeitet gehört.
Wenn heute der „Imperialist" Carl Peters kriminalisiert und aus unserer Erinnerung negiert werden soll, dann nicht, um die deutsche Kolonialvergangenheit aufzuarbeiten. Vielmehr soll hier einem Gesellschaftsbild gehuldigt werden, dass Deutschland endgültig von seinen „bösen" Wurzeln befreien soll. Dafür wird unser historisches Erbe, unsere nationale Identität zugunsten einer beliebigen und unhistorischen Sichtweise zurechtgebogen.
Diesen Sachverhalt gilt es zu verdeutlichen.
Ein paar Worte zu den deutschen Kolonien in Afrika:
Die Schaffung des deutschen Kolonialreiches in Afrika lässt sich im Wesentlichen auf die Initiative von wenigen, einzelnen Privatpersonen in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zurückführen.
Da wären auf der einen Seite die typisch hanseatischen Kaufleute Adolf Lüderitz und Heinrich Vogelsang (beide aus Bremen) sowie Adolph Woermann (aus Hamburg). Während Lüderitz seine Aktivitäten und seine Besitzung in Südwestafrika durch das Deutsche Reich geschützt wissen wollte, wollte Woermann Gleiches in Togo und Kamerun. Für diese Gebiete wurden ab 1884 von der Reichsregierung zunächst Schutzbriefe ausgegeben. Aus diesen geschützten Gebieten entwickelten sich dann die späteren deutschen Kolonien an der Westküste Afrikas.
Auf der anderen Seite steht die Person Carl Peters. Auf sein Betreiben hin, wurden Territorien an der Ostküste Afrikas erworben, aus denen sich dann die spätere Kolonie Deutsch-Ostafrika entwickelte. Bei diesen territorialen Erwerbungen standen nicht mehr die kommerziellen Interessen von Kaufleuten im Vordergrund, sondern das Sendungsbewusstsein und die Abenteuerlust eines ambitionierten jungen Mannes des wilhelminischen Deutschlands.
Ein paar Worte zu der Person Carl Peters:
Carl Peters, 1856 in Neuhaus an der Elbe geboren, war ein typischer Aufsteiger. In beengten Verhältnissen, wuchs er in einem frisch geeinten Deutschland auf. Sowohl die gesellschaftliche Suche nach einer neuen nationalen deutschen Identität, wie auch die eigene wirtschaftliche Positionsbestimmung in einer sich wirtschaftlich rapide verändernden Welt, prägten die ersten Jahrzehnte seines Lebens. Darüber hinaus wurde sein Weltbild bei diversen Englandaufenthalten von der Macht und dem Glanz des britischen Weltreiches beeinflusst.
Bald nach dem Studienabschluss, wählte Peters sich die deutsche Kolonialfrage als sein Arbeitsfeld aus. Hier gab es das ausbaufähige Aufgabengebiet, das er suchte, um sich wirtschaftlich und politisch zu etablieren. Die politische Heimat war die völkische Bewegung. Diese manifestierte sich für Peters zunächst in Agitationsvereinen für den Kolonienerwerb, später im Alldeutschen Verband.
Vor diesem Hintergrund gründete er eine Kolonialgesellschaft und unternahm in deren Auftrag, Expeditionen nach Ostafrika. Hierbei schloss er zu Beginn der 80er Jahre Schutzverträge mit diversen Häuptlingen ab. Und einen Schutz konnten die dortigen Negerstämme auch gut gebrauchen, wurden doch viele von ihnen von englischen Sklavenhändlern gefangen und außer Landes geschafft. Den Schutz dieser Gebiete durch die Reichsregierung, erzielte er durch geschickte Lobbyarbeit bei der Regierung und bei der Nationalliberalen Partei. Sein weiterer Eroberungseifer erhielt recht bald einen erheblichen Dämpfer, als 1890 die Reichsleitung mit der britischen Krone einen Interessenausgleich in Ostafrika fand und das Reich auf weitere Expansion in dem Gebiet verzichtet. Peters anschließende Bestellung zum Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet entsprach nicht unbedingt seinem Geschmack, jedenfalls unterlagen seine Handlungen plötzlich dem Beamtenrecht sowie der verstärkten Beobachtung einer interessierten Öffentlichkeit. Wer und warum man den Mann letztlich zu Fall gebracht hat, ist nicht zu erörtern. Festzustellen ist, dass er 1897 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde. Starker Tobak der damals aufgefahren wurde. Seine persönlichen Verfehlungen waren sicherlich das eine, was zu seinem Sturz beitrug, politische Intrigen waren aber das andere und vorrangige. Peters war nicht ein listiger, kühl berechnender Politiker, sondern ein idealistischer, tatendurstiger Eroberer, der mit Herzblut für Deutschlands Wohlergehen agierte. Folgerichtig verließ Peters nach seinem Sturz Deutschland und siedelte nach England über. Von hier aus führte er weitere Expedition durch, speziell im Süden Afrikas. Erst 1914 kehrte er nach Deutschland zurück. Wer aber interessierte sich da noch für Ihn? Das Kolonialreich hatte seinen Zauber verloren, die Person Carl Peters war vergessen. Die aktuellen Ziele einer deutschen Expansion trieben zu Beginn des 1. Weltkrieges ganz andere Blüten. Auch nach dem Kriege stand bei der Revision des Schanddiktats von Versailles die Wiedererlangung der Kolonien bei keiner Partei ernsthaft zur Debatte. Das Thema Kolonien und die Person Carl Peters waren Geschichte, - erledigt bzw. tot. Carl Peters starb 1918.
Wiederbelebungen von Carl Peters, oder leben Totgesagte wirklich länger?
In der Tat war es in den Dreißigerjahren für die neue Reichsleitung aus propagandistischer Sicht viel zu verlockend, die verlorenen Kolonien, sowie deren maßgeblichen Eroberer, ins öffentliche Bewusstsein zu holen. Dieses galt natürlich auch für Carl Peters. Seine Taten, wie auch seine (angeblichen) Untaten, lagen fast 40 Jahre zurück; wer wusste da noch so genau Bescheid. Carl Peters hatte einfach zu vieles vorzuweisen, auf das sich der neue Staat gerne berief. In Bremen wurde dem neuen Helden mit der Benennung einer Straße ein ehrendes Denkmal geschaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Mystifizierung von Carl Peters kein dauerhafter Erfolg beschieden war. Das Kriegsende 1945 bereitet diesem staatlich gelenkten Kult ein Ende. Carl Peters geriet wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein, genauso wie schon nach 1918. Einer historischen Aufarbeitung stand eigentlich nichts im Wege.
Die Sache hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler. Zwar hatte sich die deutsche Gesellschaft in der Nachkriegszeit vierzig Jahre lang nicht für Kolonialzeit und Carl Peters interessiert, aber die Heldenverehrung der Dreizigerjahre hatte Spuren hinterlassen.
Genau diese Spuren sind es, die die Gutmenschen nun zum Anlass nehmen, ihre zweifelhafte Sicht von historischen Gegebenheiten in unsere Gesellschaft zu implementieren. Seit der berüchtigten „Kapitulations"- Rede von Richard von Weizsäcker vor dem Bundestag vor 25 Jahren, wird planvoll und systematisch nach „bösen" oder gar „braunen" Stellen in unserer Geschichte geforscht. Ist man fündig, wird mit gesinnungsethischem Rigorismus geurteilt und konsequent ein neue Haltung gegenüber historischen Gegebenheiten eingefordert.
Zum Glück ist diese Art der Geschichtsverdrehung in Bremen, wie auch in anderen Städten, nicht sonderlich populär. Wie schon bei der bremer Gutmenschenaktion „Anti-Kolonialdenkmal", so zeigte die Bevölkerung auch bei der aktuellen Aktion „Karl-Peters-Straße" herzlich wenig Interesse. Die Verärgerung der betroffenen Anwohner über eine mögliche Umbenennung ihrer Straße ist mehr als verständlich.
Weder der Wille der Bevölkerung, noch die historischen Fakten rechtfertigen diese Aktion.
Carl Peters ist eine historische Figur, die ihre Beurteilung noch zu erwartet hat. Solange es diese nicht gibt, braucht auch eine kleine Straße mit 146 Anwohnern in Bremen-Walle nicht umbenannt werden.
Die Erörterung und Bewertung der historischen Person Carl Peters, das ist die Aufgabe von objektiven, unabhängigen Historikern, nach denen man heutzutage in der BRD jedoch vergeblich sucht. Hier geht es um die Instrumentalisierung eines eher zweitrangigen historischen Themas für höchst aktuelle politische Ziele. Diese Ziele aber beschädigen unsere nationale Identität, denn sie sind unhistorisch, nach tagespolitischen Wunschträumen der Gutmenschen ausgerichtet.
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